Am Rande des legendären Pilgerwegs ...

eine kleine Nachlese zu berührenden Begebenheiten

 

Pfarrhaus in Chert Garage in Chert, mein Nachtquartier

Mehr als nur ein Dach über dem Kopf

Das linke Bild zeigt das Haus vom Pfarrer in Chert. Es handelt sich um ein kleines Haus mit wenig Platz. Der Pfarrer lebt darin mit seiner Mutter. Dennoch fand der junge Herr Pfarrer ein Nachtquartier für mich. Im Foto rechts ist es zu sehen. Er fuhr sein Auto aus der Garage und parkte es unweit auf der Straße. Dann baute er mit mir gemeinsam mitten in der Garage ein schönes großes Bett auf. In einer Ecke war ein Räumchen mit Toilette und Waschbecken. Wenn der Pfarrer eine große Familienfeier hat, so erzählte er es mir, schlafen seine Gäste auch dort. Pilgerherz, was willst du mehr?

Haus mit Werbung am Jakobsweg ein Werbeschild am Jakobsweg             

Werbung auch am Pilgerweg

Fast überall wird der Pilger heftig umworben. Sei es ein besonders preiswertes Quartier wie private Herbergen oder Hostals und Hotels für die Übernachtung. Gaststätten offerieren preiswerte Angebote, zum Beispiel sogenannte Pilger-Menüs, die wirklich recht erschwinglich sind. Der Pilger ist für viele Anwohner in den Dörfern und Städten unterwegs am Pilgerweg durchaus auch ein beachtenswerter ökonomischer Faktor. Man kann es als kleine Entschädigung für die beträchtliche Unruhe sehen, die von den Pilgern, die manchmal ja auch in Scharen auftreten, in die ansonsten ruhigen Dörfer getragen wird.

 Totalansicht der Kirche von Ages   Ansicht einer Kirche in Ages, Detail, Tor

Ein Dank, den man sich gern verdient

Die Kirche im Örtchen Agés gehört zu den ein wenig traurigeren Kapiteln. Sie ist wunderschön, diese alte Kirche, aber vom Zerfall bedroht. Wenn man sie betritt, steht gleich am Eingang ein kleines, unaufdringliches, mit ungeübter Blockschrift beschriebenes Schild aus Pappe. Darauf bittet der Pfarrer jeden Besucher um eine noch so kleine Spende, weil niemand sonst den Einwohnern des Dorfes hilft, dieses Kleinod zu erhalten. Und er bedankt sich ausdrücklich bei jedem, der etwas gibt. Pilger, die sich die Muße nehmen, sich ein wenig im Ort umzuschauen, und dabei auf diese Kirche treffen, sind betroffen und spenden gern ...

Wegegabelung mit unsicherem Wegweiser

Am Scheideweg ...

Das sind gewisse Stellen am Pilgerweg, wo man sich eines leicht flauen Gefühls in der Magengegend nicht erwehren kann - vor allem,  wenn man ganz alleine unterwegs ist. Was, wenn einer aus Spaß das Schild verkehrt hingestellt hat? Die Auswirkungen wären  verheerend. Doch ich habe diesbezüglich nicht eine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Auf die Hilfsbereitschaft der Pilger kann man getrost bauen ...

 

Ein Satz zum Schluss

"Als wir die Krypta verlassen, verabschieden sich die beiden Priester, der jüngere und der ältere, jeweils mit festem Handschlag und erteilen jedem von uns den Segen. Solchermaßen gleich doppelt gesegnet, gehe ich durch das mächtige Portal der Kathedrale hinaus in das lebendige, nächtliche Santiago – und das ist doch wirklich nicht das Schlechteste, was einem Heiden am Ende eines solchen Weges passieren kann ..."
 
(aus meinem Buch "Ein Heide auf dem Jakobsweg")
 

Nach oben