Besinnliches auf dem Jakobsweg ...

Licht und Schatten liegen oft dicht nebeneinander

Die Art und Weise, wie der Pilger nach seinem in der Regel recht anstrengendem Tagesmarsch in den einzelnen Herbergen empfangen wird, ist so unterschiedlich, wie es die Unterkünfte auch sind. Da gibt es freundliche Fürsorge ebenso wie selbstverwaltetes Einschreiben oder wortkarges Bettenzuteilen duch Herbergsväter. Der Pilger an sich ist ja nicht anspruchsvoll - zumal, wenn er sich entschlossen hat, ausschließlich in den Pilgerherbergen zu übernachten.

In Carrion de los Condes befindet sich eine Pilgerherberge im ehrwürdigen Gemäuer eines alten Klosters. In dem Raum, wo die Anmeldung ruhig und freundlich vonstatten geht, hängt an der Wand ein gerahmter Spruch folgenden Wortlauts:

Willkommen in diesem Hause,

ganz gleich,

welcher Gott Dich auch begleitet!

Da fühlt sich doch nicht nur jeder gläubige Pilger, sondern angesichts dieser augenscheinlichen Toleranz auch jeder Nichtgläubige gut aufgehoben. Aber galt diese Freundlichkeit wirklich jedem, der hier ankam und um Aufnahme ersuchte? Lies darüber weiter unten!

Die Klosterherberge in Carrion de los Contes, Sraßenansicht

Der Eingang zum Kloster in Carrion de los Condes, das zugleich Hotel und auch Pilgerherberge ist.

Info-Tafel im Kloster Carrion de los Condes    

Eine Hinweistafel im Eingangstor der Klosterherberge    

Den ganzen Tag über kommen die Pilger in mehr oder weniger großen Abständen einzeln oder in kleinen Gruppen in den Herbergen an. Das heißt, etwa ab kurz nach Mittag bis in die späten Abendstunden. Doch Pilger, die sich all zu viel Zeit lassen, haben oft schlechte Karten für ein einigermaßen gemütliches Nachtlager. Wenn die Herberge voll ist, dann ist manchmal nichts mehr zu machen. Einige Herbergsleiter verfügen zwar noch über ein paar Notmatratzen oder ähnlichen Behelf, aber das ist nicht zwingend der Fall.

So hing auch hier, im Kloster von Carrion de los Condes, schon kurz nach Mittag ein Schild im Eingangstor der Herberge mit der Aufschrift: "Voll, Geh zu den anderen (Herbergen)!" Zum Glück gab es in Carrion tatsächlich weitere Übernachtungsmöglichkeiten. Trotzdem wunderte ich mich über die barsche Abweisung ein wenig. Hatte ich doch oft erlebt, dass selbst anscheinend volle Herbergen noch immer versuchten, im oben beschriebenen Sinne zu helfen. Doch wie bereits gesagt: Voll ist voll!

Gewaltfreie Lösung bevorzugt

 ein kleiner gelber Wuschelhund auf dem Rücken liegender kleiner Hund   

Paulo Coelho, Autor der berühmten Pilgererzählung "Auf dem Jakobsweg", hatte ja in seinem Buch vielfältige Begegnungen mit Hunden. Oft maß er ihnen eine geradezu mystische Bedeutung zu, wie zum Beispiel besonders einem, der ihn ständig verfolgte und den er ganz ernsthaft für den leibhaftigen Teufel hielt. Mit diesem kämpft er auch im Verlaufe der Geschichte irgendwann auf Leben und Tod.  

Auch ich hatte solch eine "schreckliche" Begegnung mit einem Vierbeiner (siehe oben) direkt vor und in der Kapelle von San Marcos am Fuße des Hügels Monte de Gozo - unweit von Santiago de Compostela. Nun gut, jeder sieht, dass dies ein Scherz ist. Doch um der Wahrheit die Ehre zu geben, möchte ich ergänzen, dass auch ich im Verlaufe des Weges eine unangenehmere Begegnung mit dem Nachfolger des Wolfes hatte. Ich berichte darüber wahrheitsgemäß in meinem literarischen Projekt zum Jakobsweg. Letzteres ist in der Linkliste zu finden.

Doch mir geht es mehr um die Moral von dieser in den Fotos dokumentierten Begegnung.  Denn eines beweisen diese Bilder wohl klar: Friedlich lebt es sich am besten! Das gilt für den kleinen Hund, für jeden größeren auch und ebenso für Dich und für mich ... (alle Fotos vom Autor)

PS

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