Das Buch zum Jakobsweg

Eine humorvolle Erzählung, spannend, ehrlich, provokativ

Ich habe über meine Erlebnisse auf dem Jakobsweg ein Buch geschrieben. Es gibt ja schon viele Bücher zu diesem Thema. Doch dieses hier ist anders: provokativer, ehrlicher und aus der Sicht eines Heiden aus dem Osten Deutschlands, dem obendrein seine eigene Geschichte den ganzen langen Weg nach Santiago de Compostela irgendwie unbewältigt am Rockzipfel hing.

Es enthält viel Insiderwissen über den Weg und provokante Thesen, über die es sich trefflich streiten läßt. Das Buch ist im Buchhandel auf Bestellung erhältlich und bei den einschlägigen online-Buchversendern, zum Beispiel auch bei

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Auf dieser Seite hier und zwei folgenden werde ich es mit einigen Leseproben vorstellen.

 

    Foto eines Buches zum Jakobsweg     Portraitfoto vom Autor Peter Schumann aktuell

Titel: "Ein Heide auf dem Jakobsweg", Erzählung, 344 Seiten, mit Abbildungen

ISBN-Nr.: 978-3-86805-681-5, * Preis: 17,95 Euro, Pro BUSINESS Verlag

Leseproben

Mein Schlafgemach für eine Nacht

Lange bleibt es still im Pfarrhaus, endlich öffnet sich die Tür. Ich bin etwas überrascht. Der Pfarrer ist unerwartet jung. Trotzdem trägt er schon die Verantwortung gleich für drei Gemeinden: Chert oder Xert, wie es hier überall in valenciano steht, An Roig und Cervera. Der junge Herr Pfarrer macht mir zuerst einen schönen Stempel in meinen Pilgerausweis und will mir darüber hinaus auch unbedingt helfen. Wir gehen eine Straße weiter bis zur Kirche. Diese steht eingereiht in eine Häuserzeile, ohne jede Lücke dazwischen. Der Pfarrer schließt sie auf, bittet mich hinein und fordert mich auf, etwas auszuruhen. Währenddessen will er sich um eine Schlafgelegenheit für mich bemühen.
Für die nächste halbe Stunde sitze ich mutterseelenallein in dem großen kühlen Gotteshaus. Eine Kirche für mich, den Heiden, ganz allein! Die Hitze des Tages, die quälende Anstrengung des schattenlosen Weges, die Schwere der Traglast; das alles weicht einer angenehmen Leichtigkeit, als ich auf der schwarzen hölzernen Kirchenbank sitze. Kein Laut dringt herein. Ich höre nichts als Stille und schließe zufrieden die Augen. Bilder ziehen durch meinen Kopf. Es ist, als würde ich den Weg wie in Watte gehüllt mit Leichtigkeit noch einmal gehen. Erst das laute, metallene Geräusch des schweren Türschlosses versetzt mich in die Wirklichkeit zurück.
Der Pfarrer bringt keine guten Nachrichten. Er hat noch kein Quartier für mich. Doch so schnell gibt ein Mann Gottes auf Erden nicht auf. Wir gehen zu seinem kleinen Wohnhaus zurück. Er holt irgendwelche Schlüssel, dann  überqueren wir die Straße. Dort öffnet er ein Garagentor, fährt ein Auto heraus und parkt es in der Nähe. Er bittet mich, ihm zur Hand zu gehen. Wir bauen mitten in der Garage, wo eben noch das Fahrzeug stand, ein großes  doppeltes Klappbett auf, versehen es mit einer ebensolchen Matratze. Ein weiteres Bett dieser Art lehnt als Reserve einsatzbereit an der Wand. In einer Ecke befindet sich ein kleiner Nebenraum mit Toilette und Waschbecken. Dann fragt mich der Pfarrer, ob ich hier schlafen könne. Natürlich kann ich das. Voll ehrlicher  Dankbarkeit sage ich ihm, daß ein Pilger so viel doch gar nicht braucht. Weniger wäre schon genug gewesen, ein Dach über dem Kopf. Mehr muss es nicht sein.
„Ja, ja“, sagt er und lacht, „aber wenn es doch da ist, dann kann man es auch benutzen, vale? Wenn wir eine Familienfeier haben, schlafen meine Gäste auch hier.“
 
Später bietet er mir an, nachdem ich mein Quartier bezogen habe, noch in sein Haus zu kommen. Erstens könne ich dort duschen, und außerdem möchte er sich bei einem kleinen Abendbrot mit mir unterhalten. Ich kann das freundliche Angebot nicht gut ablehnen, dusche mir im Haus des Pfarrers den Schmutz von zwei anstrengenden  Tageswanderungen vom Leibe und begebe mich dann in die Essküche des bescheidenen Hauses.
Hier ist der junge Mann bereits eifrig am Herd bemüht. Seine alte Mutter dagegen, die mir in der folgenden Zeit nicht ein einziges Mal in die Augen schaut, wandert ziellos von einer Ecke des Raumes zur anderen. Dabei hält sie stets Dinge in den Händen, die in diesem Augenblick wohl keiner braucht. Sie stellt sie hierhin, legt sie dorthin, nimmt sie wieder auf, trägt sie woanders hin. Es kommt mir vor, als wolle sie damit ausdrücken, daß ich gar nicht anwesend bin. Obendrein redet sie unentwegt. Ich verstehe nichts, empfinde es jedoch fast wie Schimpfen. Damit liege ich nicht mal so falsch.

 

 

 ein Glas mit Wein, Weintrauben und Käse

 

Der Pfarrer bringt große Teller mit Steak, Spiegelei und Spargel zum kleinen Esstisch in der Küche. Er stellt eine Flasche Wein und Brot dazu, nimmt mir gegenüber Platz, lächelt etwas verlegen und blinzelt mir verschwörerisch zu: Seine Mutter sei leider nicht mehr ganz richtig im Kopf. Sie schimpfe, daß er hier ständig Leute durchfüttern würde; sie hätten doch selber nichts. Und am Ende hat sie gesagt, darüber lacht er wieder herzlich, daß sie mit ihrer ganzen Familie zu mir nach Peñiscola kommen wolle, um bei mir zu Abend zu essen. Ich sage verdutzt: „Aber gerne!“ und stimme etwas verhalten in das kräftige Lachen des Pfarrers ein.
 
Es entwickelt sich ein wunderbarer Abend. Die alte Dame hat die Küche längst verlassen und ist schlafen gegangen. Wir probieren verschiedene Weine aus, solche aus dem örtlichen Anbau und selbstgemachten auch. Irgendwann fragt er mich, warum ich denn unbedingt nach Santiago pilgern will. Ich sage ihm ehrlich, daß es keinerlei religiöse Gründe sind, die mich auf diesen Weg führten, sondern eher spirituelle und vielleicht auch ein später Versuch von Selbstfindung, also nach jenen Teilen des Selbst jedenfalls, die im Laufe des Lebens unmerklich verlorengegangen sind: verlorene Träume, verlorene Illusionen, verlorene Talente – verloren irgendwo im Allerlei des kleinen alltäglichen Lebens, in der Trägheit, der Gewohnheit, der Bequemlichkeit ... 
 
Der Pfarrer sagt, er finde das ganz in Ordnung, und es gibt viele Gründe, den Jakobsweg zu gehen. Jeder hat seine eigenen. Jeder Zweite etwa, so meint er, ginge sowieso nicht mehr aus religiösen Motiven. Wir sprechen, so gut es geht, über Gott und die Welt, denn mein Spanisch ist noch immer bescheiden. Doch die fortschreitende Zeit relativiert solch kleine Hürden. Je mehr Wein wir probieren, um so geringer werden die Problemchen der Verständigung. In dieser geheimnisvollen Gleichung offenbaren sich für mich die ersten Wunder dieses Weges. Es spielt offenbar keine Rolle, daß er ein gläubiger Mann, ein Mann der Kirche ist und ich ein ungläubiger Heide. „Kann nicht ändern, was ich bin!" Es ist nicht so wichtig, was wir sind oder sein wollen. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir sind!
 
Zum Abschied bittet mich der Pfarrer, den Apostel Jacobus in der Kathedrale von Santiago unbedingt von ihm zu grüßen. Das verspreche ich ihm ernsthaft und guten Willens. Anschließend gehe ich gut gelaunt in die Garage, mein Schlafgemach für eine Nacht, zurück. Es ist ja nur quer über die Straße, ein Katzensprung!
 

Glaube doch, was Du willst!

Unter solchem psychischen Druck der höllischen Drohung stand ich also Zeit meines Lebens wie alle Heiden und Ungläubigen. Lange Zeit wusste ich nichts davon. Das ist wohl besser so. Was hätte es die Priester gekümmert, ob ich nächtens ruhig schlafen kann, ob mich Albträume plagen oder das Gewissen zwickt? Es ist ihrer Meinung nach ja die gerechte Strafe dafür, dass ich nicht dasselbe glauben kann und will, was ich nach Meinung der Kirche glauben sollte. Wer aber ist die Kirche? Der Papst, von dem es einmal sogar gleich drei gab, die Kardinäle, die Priester, die Gläubigen?

Nun bin ich als Heide diesen heiligen Weg gegangen. Durfte ich das überhaupt? In Streitgesprächen fällt am Ende manchmal dieser kategorische Satz: Glaube doch, was Du willst!
 
Und genau darum geht es! Es ist dein gutes Recht, und es macht dich nicht besser und nicht schlechter. Glaube doch daran, dass du auch ohne Glauben hundert Jahre lang ein heiteres, unbeschwertes Leben führen kannst, ohne dafür  anschließend in irgend einer Hölle zu schmoren! Glaube an dich selbst! Glaube doch an den lieben Gott „da oben“! Auch da kannst du heiter hundert Jahre leben, wenn du nicht all die düsteren Bilder an dich heran lässt von den Leiden Jesu, von den blutigen Kreuzzügen im Namen Gottes, der Inquisition, den Hexenverbrennungen und den Teufelsaustreibungen.
 
Glaube doch an den lieben Gott, an Allah, Buddha oder Brahman, an irgend einen Götzen, an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen, an Feen und Elfen, an Drachen, Zwerge, Kobolde und Geister, an Außerirdische, Übersinnliches und Wunder! Glaube, was du willst!
Aber sei auch tolerant und verständnisvoll, wenn ein anderer nicht das Gleiche glauben will wie du.
Er hat das Recht dazu!

 

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