Die Compostela

Für den Pilger die ersehnte Urkunde, die das erfolgreiche Pilgern und seine Ankunft in Santiago de Compostela bescheinigt

Nach all der Mühe, die der Pilger über viele Kilometer auf sich genommen hat, nach Hitze und Staub und Regen und Schlamm, nach der Auseinandersetzung mit dem eigenen inneren Schweinehund und des Auslotens von körperlichen und psychischen Grenzen - nach all dem wartet eine kleine Belohnung: die Compostela, die Pilgerurkunde. Sie ist traditionell in lateinischer Sprache abgefaßt und wird mit den persönlichen Daten des jeweiligen Pilgers versehen. Und so sieht sie dann aus:

Schön gestaltete Urkunde für die Pilger

Eigentlich bekommen nur jene Pilger diese Urkunde, die aus wirklich religiösen Gründen gepilgert sind. Doch inzwischen nimmt man es zum Glück vieler Pilger (etwa die gute Hälfte) nicht mehr ganz so streng und erkennt auch spirituelle Gründe an. Zu diesem Zweck sucht der Pilger nach seiner Ankunft in Santiago de Compostela das Pilgerbüro auf, das sich im ersten Stock eines historischen Hauses befindet und wie ein normales Büro anmutet. Als ich dort ankam, wurden die Pilger an drei Arbeitsplätzen abgefertigt; vor jedem hatte sich eine kleine Warteschlange gebildet. Doch alles ging ganz zügig und in lockerer Atmosphäre vonstatten. Wenn der Pilger Glück hat, trifft er in diesem Büro noch zufällig auf bekannte Weggefährten, die vielleicht gemeinsam mit ihm die letzten Kilometer zurückgelegt haben. An Hand seines Pilgerausweises mit den darin befindlichen Stempeln seiner Stationen muss der Ankömmling nachweisen, dass er zumindest die letzten einhundert Kilometer (Radfahrer 200 Kilometer) zusammenhängend gepilgert ist. Die Stempel hat er in erster Linie in jenen Pilgerherbergen erhalten, wo er die vergangenen Nächte geschlafen und sich erholt hat. Dann füllt er  einen kleinen formalen Bogen aus, der nach den Gründen für die Pilgertour fragt. Erst wenn dies alles überprüft ist, wird die Compostela schließlich auf den Namen des jeweiligen Pilgers sofort an Ort und Stelle in Latein vor den Augen des erwartungsfrohen Pilgers ausgefertigt und übergeben. Die Pilgerurkunde gehört zweifellos neben der Jakobsmuschel zu den begehrtesten Andenken an eine erfolgreiche Pilgertour. Dem Vernehmen nach soll es vorkommen, dass sich gläubige Pilger beide Insignien mit ins Grab legen lassen. Doch bis dahin ist wohl zu wünschen, dass sie noch viele weitere, glücklich verlaufende Pilgertouren unternehmen.

Hier noch die deutsche Übersetzung des Textes der Compostela laut "Wikipedia":

"Das Kapitel dieser mütterlichen, apostolischen und metropolitanischen Kirche von Compostela, der Wächter des Siegels des Altares des seligen Apostels Jakobus, in der Absicht, allen Gläubigen und Pilgern, die aus dem ganzen Erdkreis beseelt von Verehrung oder eines Gelübdes willen vor der Tür unseres Apostels, des Patrons und Schutzherren der spanischen Lande, des heiligen Jakobus, zusammenkommen, echte Schreiben zur Bestätigung des Besuches zu verschaffen, macht allen und jedem, die in das Vorliegende Einblick nehmen, bekannt, dass (Vorname und Nachname des Pilgers) dieses allerheiligste Gotteshaus, von Frömmigkeit getrieben, ehrerbietig besucht hat. Zur Beglaubigung dafür überreiche ich dir/Ihnen dieses vorliegende Schreiben, versehen mit dem Siegel eben derselben heiligen Kirche.

Gegeben in Compostela den (Tag, Monat, Jahr)" (evtl. noch Annus Sanctus - heiliges Jahr).

 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

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