Der französische Jakobsweg

Die allermeisten Pilger gehen diesen Weg von der französischen Grenze aus

Ein Pilgerweg wie aus dem Bilderbuch

Die Fotos oben und ganz unten zeigen Wege, wie ich sie wirklich und wahrhaftig ging in all ihrer Schönheit und scheinbaren Endlosigkeit. Die Bilder in der Mitte zeigen den Ortseingang von Columbrianos mit all den äußeren Attributen des Weges: rechts der berühmte Grenzstein zu Galizien. An seinem Fuß liegt meine Wanderausrüstung.

Man muss die Einsamkeit suchen                               

Mein Französischer Weg begann in Logroño und führte mich bis nach Santiago de Compostela. Dieser Teil des Weges ist bekannt und berühmt. Eigentlich beginnt er ja schon in Saint-Jean-Pied-de-Port an der französischen Grenze. Ich kam jedoch von der Mittelmeerküste und durchquerte Spanien fast bis zur Grenze zum Baskenland. Über Alcañiz und Zaragoza traf ich in Logroño auf diesen Pilgerweg. Deswegen bildete er für mich auch die dritte Etappe. Sie allein war ebenso lang wie die beiden ersten Teilstrecken zusammen. Und es war die kommunikativste Strecke, denn hier war man tatsächlich so gut wie nie mehr ganz allein. Dabei habe ich doch das Alleinsein auch genossen und mich manchmal, besonders auf dem letzten Teil des Pilgerweges, sogar oft danach gesehnt. Meditieren geht allein am besten; diese Erfahrung habe ich jedenfalls gemacht ...

 

  Der Ortseingang von Columbrianos mit Wegweisern vom JakobswegGrenzstein von Galizien mit meinem Gepäck

Kulturschock in Logroño

Als ich in Logroño ankomme, muß ich einen regelrechten Schock verdauen. Vor der Tür der Herberge warten etwa an die vierzig Pilger auf Einlaß. Auf der ganzen Strecke bis dorthin, auf weit über vierhundert Kilometern, war ich bisher nur einem einzigen anderen Pilger begegnet, Luigi aus Italien. Jetzt hörte ich um mich herum ein Sprachgewirr von Deutschen, Franzosen, Engländern, Spaniern und anderen. Das würde nun so bleiben auf den noch zu bewältigenden mehr als sechshundert Kilometern bis nach Santiago de Compostela. Von der Einsamkeit und der Selbständigkeit des Pilgerweges bisher mußte ich umschalten auf die ständige Gemeinsamkeit mit anderen Pilgern. Das bedeutete letztendlich auch Konkurrenz um die Schlafplätze an den jeweiligen Etappenzielen.

Run auf die Herbergsbetten

Ich mußte meinen gewohnten Tagesablauf völlig umstellen. Bisher lief ich meine Strecken über den ganzen Tag verteilt, mit langen Pausen zwischendurch und viel Zeit und Muse, mich gründlich umzuschauen. Selbst in der angenehmen Kühle des Abends bewältigte ich oft noch ein paar Kilometer des Pilgerweges. Das war jetzt vorbei. Die Pilgerherbergen mußte man ohnehin in den frühen Morgenstunden verlassen. Eine zweite Nacht darf man nicht bleiben, nur im Falle von Verletzungen oder Krankheit. Ich lief also konzentriert die Strecke, die ich mir für diesen Tag vorgenommen hatte. Nach zwanzig bis fünfundzwanzig Kilometern war das Tagesziel in der Regel schon kurz nach Mittag erreicht. Das war auch von der Zeit her die beste Voraussetzung, einen Schlafplatz in den jeweiligen Herbergen zu bekommen.

ein laufender Hund   Eine Begegnung von vielen mit den galizischen Hunden

                               auf dem Bergpass "Alto de Poio" in 1335 Metern Höhe:

"Mein“ Hund ist übrigens eine Hündin, und sie taucht die nächsten drei Kilometer mal neben mir, mal hinter mir, mal vor mir auf. Ich kenne das aus Peñiscola. Aus irgend einem mir nicht erklärbaren Grunde laufen mir mit Vorliebe herrenlose und streunende Hunde hinterher. Ich habe die ganze Strecke absichtlich nicht mehr mit der Hündin geredet, auch wenn mir das ziemlich schwer fiel. Endlich bleibt sie zurück. Wahrscheinlich sagte ihr der Instinkt, daß sie im Begriff war, die Grenzen ihres Reviers zu überschreiten.

(aus meinem Buch "Ein Heide auf dem Jakobsweg")

Grenzerfahrungen ...

Kilometerstein 100 im Bajo Aragon gelber Pfeil hinter dem Kloster Rueda Kilometerstein am Wegesrand Kilometerstein 78 Kilometer vor Santiago Grenzstein zur Provinz Santiago

Hinweis auf die Weinroute Stelen mit Namen bedeutender Pilger Warnschild für eine Überquerung der Bundesstraße Straße mit Wegschild im Bajo Aragon

Die Fotos zeigen eine kleine Kollektion der stummen, aber sehr erwünschten Wegbegleiter eines Pilgers. Sie können beruhigend wirken, weil man sich auf dem richtigen Pilgerweg weiß, oder anspornend, wenn die Zahl der Kilometer beständig abnimmt, oder beschleunigend, wenn sie eine gute Rastmöglichkeit mit gastronomischer Versorgung ankündigen.

Das Sternenfeld zum Greifen nah ...

Je näher man der Stadt Santiago de Compostela kommt, um so deutlicher ist die zunehmende Unruhe der Pilgerbrüder zu bemerken. Viele machen jetzt keine langen Pausen mehr. Sie bewältigen nun auch mehr Kilometer als in den Etappen zuvor. Es ist, als zöge der heilige Ort die Pilger wie in einen Strudel. Am Rande ist die Bewegung noch überschaubar und normal, im Zentrum jedoch wird sie schneller und schneller. Schließlich steht man auf der großen Wiese am Papst-Denkmal auf dem Monte de Gozo. Vor Dir liegt dann die letzte Übernachtungsmöglichkeit vor Santiago: eine überdimensionale Anlage für achthundert Pilger, die hier kostenlos schlafen dürfen. Und dahinter, im weitläufigen Tal, siehst Du schon die Häuser und Türme der Stadt auf dem Sternenfeld ...

 

 

 

Nach oben