Pilgerwege, die kaum noch einer kennt

ein sich bewegender mittelalterlicher Pilger

Reise durch ein völlig unbekanntes Land  

erste Etappe war für mich nicht die erste Tagestour. Ich verstehe darunter einen ganzen Teil des Weges, und zwar jenen, der nicht so leicht als Jakobsweg zu identifizieren war.

Das galt für die Strecke von der Tür meines Hauses von der spanischen Orangenblüten-Küste an bis nach Escatron, der ersten Stadt am Ebro. Denn dort verläuft ein anderer Weg, der Ebro-Weg. Der ist schon viel bekannter und zum Teil identisch mit einem Europa-Wanderweg. So berühmt wie der "Französische Weg" ist er jedoch auch nicht. Doch zu diesem Pilgerweg sage ich dann mehr in der zweiten Etappe. Hier geht es um die ersten knapp zweihundert  Kilometer.

ein blinkender Stern

Das Bewußtsein der Menschen in den Dörfern, durch die ich kam, war in der Regel nicht mehr wach dafür, daß durch ihren Ort der Jakobsweg führen sollte. Wenn ich sie darauf ansprach, ja, dann erinnerten sie sich. Doch nirgendwo sah ich einen gelben Pfeil, die ansonsten sichersten Begleiter auf dem Weg. Pilgerherbergen gab es auch nicht - bis auf ganz wenige Ausnahmen. Zum Glück hatte ich ja ein winziges Zelt dabei für solche Notfälle. Sehr oft habe ich es dennoch nicht benutzen müssen. Ich hatte viel über den Weg gelesen und wußte demzufolge, wie es geht. Ich wählte gemäß meinen Kräften ein Tagesziel aus und versuchte, das zu erreichen. Dort fragte ich die Einwohner nach dem Pfarrer. Doch nicht in jedem Ort wohnt wie früher vielleicht ein Pfarrer. Eine Kirche - ja, die gibt es immer. Doch ein Pfarrer ist heute in Spanien in der Regel für mindestens drei Orte zuständig. Es ist also oft ein glücklicher Zufall, wenn er ausgerechnet in dem Ort auch lebt, durch den der Pilger gerade kommt.

Es genügt doch ein Dach über dem Kopf

Wenn ich also den Herrn Pfarrer gefunden hatte, fragte ich, ob er mir bezüglich eines Nachtquartiers helfen könne. In etwa siebzig Prozent der Fälle gab es eine Lösung: ein Refugio, das ist ein Notquartier eigentlich für Landstreicher, aber manchmal eben auch für Jakobspilger, eine Garage oder die Sakristei. Mehr braucht ein Pilger doch nicht! Ein Dach über dem Kopf genügt schon. Es vermittelt ein wenig das Gefühl von Sicherheit, und die Kälte der Nacht ist nicht mehr spürbar. Die Hilfsbereitschaft der spanischen Menschen am Weg ist bemerkenswert ausgeprägt. Daran ändert auch nichts, dass der Glaube heutzutage auch in Spanien nicht mehr ganz dieselbe Rolle spielt, wie das früher einmal war.

Das Bild zeigt die
Kirche in
Chert

  ein sich bewegender Schmetterling Ein Jahr danach ...

Der Autor auf einem sonnigen, steinigen Weg

  Ein Jahr später, nachdem ich diesen Weg ging,       bemerkte ich eine erstaunliche Tatsache: Man        begann mit der teilweisen Rekonstruktion dieses   Pilgerweges, indem man zu aller erst die gelben Pfeile des Jakobsweges wieder belebte. Vielleicht habe ich ja zu einem ganz, ganz winzigen Teil mit dazu beigetragen, dass die Erinnerung zurück kam.

 

 

 

Als erste sichtbare Maßnahme hat die Provinzregierung in Zusammenarbeit mit Organisationen, die sich für das Erbe dieses Weges verantwortlich fühlen, auf einer Teilstrecke von 164 Kilometern sage und schreibe dreiundvierzig "Kilometersteine" errichtet.

Folgerichtig lautet die offizielle Begründung für diese Aktion mit den Kilometersteinen, die alle natürlich die Insignien des Jakobsweges tragen, daß „die Magie des Weges ungebrochen sei und sich jedes Jahr Tausende Castellonenser (so nennt man die Einwohner der Provinzhauptstadt Castellon), ob sie nun gläubig sind oder nicht, auf diese symbolische und spirituelle Tour begeben".

die ehemalige Templerburg von Santa Magdalena de Pulpis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Pilgerweg mit Baum ein großer Stein am Pilgerweg wie ein Zeichen

DIe Fotos zeigen ganz oben den Ort Chert mit der Kirche inmitten der Häuserzeile, in der Mitte den Autor auf steinigen Wegen in der spanischen Sonnenglut; das große Foto unten zeigt die ehemalige Templerburg von Santa Magdalena de Pulpis in der Sierra de Irta, einen Pilgerweg wie aus dem Bilderbuch (links unten) und ein außergewöhnliches Wegzeichen

 

 

 

 

 

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