Escatron am Ebro-Pilgerweg und das Kloster Rueda

Hier soll der heilige Jakobus selbst gepilgert sein

Ich habe den Baja Aragon, den Niederen Aragon, verlassen und strebe dem ersten Ort am Ebro entgegen. Er heißt Escatron, befindet sich in der Ribera baja del Ebro und gehört zur Provinz Zaragoza.

Escatron hat etwa 1.200 Einwohner – die Zahl schwankt von Jahr zu Jahr. Wenn man den Ort, aus Richtung Alcañiz kommend, am äußeren Rand betritt, gewinnt man vorerst den Eindruck eines sauberen und wohlhabenden Örtchens, der nicht einmal besonders spanisch geprägt scheint. Doch wenn der Wanderer die Ortsmitte und damit die Altstadt erreicht hat, befindet er sich in einem Gebiet voller Widersprüche.

Schönes und Marodes stehen dicht beieinander

Es gibt einerseits wunderbar restaurierte Plätze und Viertel, auf der anderen Seite jedoch auch solche, die still vor sich hin verfallen und unbewohnt sind. Das erklärt sich aus folgenden spanischen Gegebenheiten: Baumaterialien und das Bauen an sich sind sehr preiswert. Gebaut wird in der Regel mir einigen wenigen Fachkräften, die wiederum Hilfsarbeiter, häufig solche mit Migrationshintergrund, anleiten. Letzteren kann man natürlich Dumpinglöhne zahlen, weil sie überhaupt froh sind, beschäftigt zu werden. Dagegen ist das Rekonstruieren oder Restaurieren bestehender Häuser in der Altstadt aufwändig und teuer. Abriss und Neubau sind also die weitaus ökonomischere Alternative. Sarkastisch könnte man auch sagen, dass der zunehmende Verfall eine spätere Entscheidung zum Abriss nur einfacher macht.

Beginn der Provinz Zaragoza und die Pfarrkirche Nuestra Senora de la Asuncion in Escatron, einem kleinen Städtchen am Ebro

So richtig sauber war es jedoch weder in den attraktiven Vierteln, noch in den vom Verfall bedrohten. Was mich am meisten verwundert und geärgert hat war die Tatsache, dass nicht ein einziger der vorhandenen Trinkbrunnen funktionstüchtig war. Das hatte es in den Bergdörfern nicht ein einziges Mal gegeben.

Ist es vielleicht die Nähe zum Ebro, die den Umgang mit Wasser so sorglos macht? Doch der Ebro führt ja nun auch nicht gerade Wasser in trinkbarer Qualität.

Der Schatz in der Pfarrkirche

Als ich vom Hostal, in dem ich eine Bleibe für eine Nacht gefunden habe, die sanft absteigende Straße hinunter zum Ebroufer gehe, überquere ich den Plaza España und mache noch einen kleinen Abstecher in die Pfarrkirche Nuestra Señora de la Asuncion, deren Doppeltürme die Silhouette der Stadt bestimmen. Eine sehenswerte Kirche, die obendrein einen Schatz beherbergt, der eigentlich gar nicht zu ihr gehört. Es handelt sich um einen über zwölf Meter hohen Altar, gänzlich aus Alabaster, der aus dem Kloster Rueda stammt. Es ist nicht ganz klar, in welchen Wirrnissen der Zeit dieses Prachtstück hierher gelangt ist. Den Pfarrer dieser Kirche ficht das nicht an. Er erklärt gern den Touristengruppen die Herkunft, die Geheimnisse und die Bedeutungen so manchen Details am Altar. So ist sein Gotteshaus im Gegensatz zu manchem anderen ganz gut besucht.

Enge, maurisch geprägte Gasse in Escatron, der berühmte Alabasteraltar in der Hauptkirche des Ortes und das "Haus des Volkes" - eine Partei- und Gewerkschaftszentrale

Als ich weiter Richtung Ebroufer gehe, empfängt mich schon von Weitem ein ohrenbetäubendes Rauschen. Quer durch den ganzen Fluss zieht sich ein Wehr und verursacht dieses förmlich in der Luft liegende, anhaltende Geräusch.

Ein riesengroßes Wasserrad

Ich weiß nicht, ob dieses Wehr noch auf die Zisterziensermönche zurückzuführen ist, die hier zahlreiche Wasserbauten ausführten. Ihr ehemaliges Kloster, das Kloster Rueda, liegt jedenfalls direkt gegenüber, am anderen Ende des Wehrs. Dort soll es auch ein Schöpfwerk geben, zu dem ein Wasserrad gehört, dessen Durchmesser 16 Meter betragen soll. Das Kloster, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen, befindet sich zwar schon in der Gemarkung der Gemeinde Sastago, doch wenn man in Escatron am Ufer des Flusses steht, ist es nur ein wenig mehr als einen Steinwurf entfernt. Der Uferweg hier ist bereits wieder der mit gelben Pfeilen ausgewiesene Jakobsweg und in großen Teilen zugleich ein Europa-Wanderweg.

Für mich als Pilger ist es der Camino del Ebro, den auch der Heilige Jakobus nach der Überlieferung schon selbst gepilgert ist.

Das Kloster Rueda mit seinen Kreuzgängen aus dem 13. Jahrhundert und der Hof des Klosters (alle Fotos vom Autor)

Ein paar hundert Meter stadtauswärts führt mich der Weg am nächsten Morgen zu einer langgezogenen Brücke, die hier den reichlich breiten Ebro überspannt. Auf der anderen Seite angekommen, sind es wiederum nur einige hundert Meter, und schon befindet man sich im Hof des Klosters Rueda. Ein Teil des Klosters ist heute ein Parador, ein Hotel in historischem Gemäuer. Ich sehe mich gründlich um, geöffnet hat es zu dieser frühen Stunde leider nicht, dann folge ich weiter den gelben Pfeilen des Jakobsweges, die vom Kloster wegführen ...

PS

Blick von der Klosterseite über den hier ruhig fließenden Strom Ebro auf das Örtchen Escatron

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