Jakobsweg und Internet

Blitzschnelle Informationen aus dem Netz

 

Der Pilger im Mittelalter hatte es nicht leicht. Er befand sich weit weg von zu  Hause  und hatte wohl kaum eine Möglichkeit, der Familie oder sonstigen vertrauten Personen eine Nachricht zu schicken, wie es ihm ergeht. Vielleicht – wenn es der Zufall wollte – traf er einen Pilger aus seinem Heimatbereich, der sich gerade auf dem Rückweg befand. Aber ansonsten?

Der Pilger von heute befindet sich dagegen in einer vergleichsweise komfortablen Position. Was würde mir als erstes einfallen, wenn ich vorhätte, den Jakobsweg zu pilgern? Natürlich – da schaue ich doch mal im Internet nach. Ich habe das aus Spaß noch mal getan, obwohl ich „meinen“ Jakobsweg von 1080 Kilometer Länge schon längst hinter mich gebracht hatte.

Ein PC, Bildschirm und TastaturAlso gebe ich bei Google ein: Jakobsweg. Ich bekomme 2.470.000 Ergebnisse innerhalb von 0,15 Sekunden, wau!

Nächstes Stichwort: Jakobspilger. 391.000 Ergebnisse in 0,30 Sekunden.

Dann nahm ich speziellere Begriffe, die dem Wissensdurst von Pilgerneulingen, die den Weg zum ersten Male gehen wollen, entsprachen. Stichwort: Pilgerausrüstung. Da sind es immerhin noch 5.090 Ergebnisse in 0,18 Sekunden und beim Stichwort: Pilgerkleidung 7.260 Ergebnisse in unglaublichen 0,05 Sekunden.

Man muss die Flut der Ergebnisse eingrenzen

Das ist zwar sehr beeindruckend, in der Praxis jedoch völlig irrelevant. So viel Zeit, dies alles zu sichten, geschweige denn durchzulesen, hat kein Mensch! Also kann sich der neugierige Einsteiger ins Pilgergeschehen gut und gerne mit jeweils den ersten drei Seiten begnügen. Das sind dann immerhin noch dreißig Ergebnisse, aus denen man sich je nach Bedarf nochmals nur einige wenige auswählt. Selbst dieses normale Herangehen kostet schon sehr viel Zeit. Aber – und das muss man dem Internet zu gute halten – man kann in relativ kurzer Zeit schon fast zum Experten zu einem Thema werden, über das man vorher so gut wie nichts wusste, zumindest in der Theorie.

Foren können sehr hilfreich sein

Abschließend der wohlgemeinte Rat: Das Internet ist ein unerschöpflicher Quell, wenn es darum geht, etwas über den Jakobsweg und das Pilgern in Erfahrung zu bringen. Das geht von exakten Wegbeschreibungen über das Vorhandensein und die Beurteilung von Pilgerherbergen bis hin zu Ratschlägen jeder Art, was Ausrüstung, Kleidung, Zeitraum,  Vorbereitung, Wetter, Finanzen usw. betrifft. Es gibt im Internet darüber hinaus einige gute Pilgerforen, wo keine Frage unbeantwortet bleibt. Man kann sogar über solche Foren Mitpilger einladen, den Weg gemeinsam zu gehen.

Auch auf dem Weg selbst muss der moderne Pilger auf das Internet nicht verzichten. Viele Herbergen haben einen Internetplatz eingerichtet, der kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr zu benutzen ist. Darüber hinaus verfügen die meisten größeren Orte am Jakobsweg natürlich über Internetcafés.

Ein Räuber mit Hut sitzt vor einem Computer

Ohne Handy geht doch kaum noch was

Eine weitere moderne Errungenschaft ist auf dem Pilgerweg von Bedeutung: das allseits ohnehin beliebte Handy. Aber halt! Ich will hier keinesfalls jener Gruppe von Nutzern  den Rücken stärken, die ohne Handy allein schon deswegen nicht sein können, weil sie alle Naselang mit ihren Freunden Belanglosigkeiten austauschen müssen. Das nervt und ist kontraproduktiv auf einem Weg, der doch – religiös gebunden oder nicht – zu einer Art innerer Einkehr führen sollte. Wenn dem nicht so wäre, dann könnte jeder beliebige Wanderweg den gleichen Zweck erfüllen. Das Handy ist nützlich als Schutz vor allem für Alleingeher. Man kann unterwegs gesundheitliche Probleme bekommen, die schnelle Hilfe erfordern, man kann vom Weg abkommen oder in eine Schlucht stürzen.

Ein Dorf liegt an einem Bergabhang

Das Bergdorf La Pueblo de Alcolea, wo ich meinen naiven Glauben an meine Sicherheit verlor.

(Foto vom Autor)

Jeder kann sich den Schutz selber organisieren, den er braucht. Ich ging zum Beispiel über 400 Kilometer auf Wegen, die nicht so bekannt waren wie der Französische Weg. Dort bin ich manchmal den ganzen Tag allein gewesen, ohne jemandem zu begegnen. Einen weiteren Pilger traf ich erst nach etwa 350 Kilometern.

Zweifelhaftes Sicherheitsgefühl

In einem kleinen Dorf, im Pueblo de Alcolea, fragten mich zwei ältere Einwohner, ob ich denn keine Angst hätte - so ganz allein. „Nein“, antwortete ich forsch, „warum denn?“ „Nun, man könnte dich töten, und keiner merkt es!“ sagte da der alte Mann. Ich war ziemlich betroffen. Doch immerhin: Dass es keiner merken würde, glaubte ich nicht. Ich hatte mit meiner Familie eine feste Handyzeit vereinbart. Eine Stunde nur am Tag war das Handy eingeschaltet, um Strom zu sparen. Möglichkeiten, den Akku aufzuladen, gab es auf diesem Teil des Weges nur ganz, ganz selten. Meine Familie konnte mich jedoch bei Bedarf erreichen; ich schickte jeden Tag eine SMS mit Angaben zu meinem jeweiligen Standort. Das kann man inzwischen sogar noch viel moderner über GPS oder Handy-Ortung organisieren. Doch das wissen die modernen Pilger von heute, zumal wenn sie noch relativ jung sind, garantiert schon viel besser als ich.

PS

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