Sinnsuche auf dem Pilgerweg

Eine gute Vorbereitung erspart manch Ungemach

Vielen wird dieses Szenario vertraut sein: Irgendwann im Leben gerät man in ein Tief, oder in eine Krise, eine Lebenskrise eben. Das ist wohl völlig normal und gehört zum Leben dazu. Es herrscht nicht immer nur Sonnenschein, auch wenn wir uns das vielleicht wünschen. Man muss nach Auswegen suchen, sich neu orientieren, die "Krise" durch eine Sinnsuche überwinden. Der Eine schafft das ganz allein, ohne sich sonderlich zu quälen, der Andere verzweifelt fast und braucht eventuell sogar die Hilfe anderer Personen bis hin zu einem Psychiater. Als ich mich in einer solchen Situation befand, kam ich auf die Idee, sie durch eine Pilgertour auf dem Jakobsweg zu ändern. Denn klar ist doch, dass Veränderung zuerst im Kopf, im Denken, stattfinden muss. Um jedoch klar und konstruktiv denken zu können, ist es günstig, wenn auch die äußeren Bedingungen diesen Prozess unterstützen. Da bietet sich das Pilgern förmlich an. Es gibt hier die Möglichkeit, ganz allein zu Pilgern und seinen Gedanken nachzuhängen, oder aber zu zweit oder in kleinen Gruppen, sobald man das Bedürfnis nach Austausch und Inspiration verspürt. Und die vielen großen und kleinen Kirchen unterwegs sind fantastische Gebäude zur Meditation und fragen nicht danach, ob du gläubig bist oder nicht.

So weit Du gehen kannst ...

Als für mich feststand, dass ich pilgern wollte auf dem Jakobsweg, ging ich  nicht Hals über Kopf los. Ich bereitete mich gründlich auf dieses Abenteuer vor. Dazu leistete mir zum Beispiel auch das Internet gute Dienste, weil es voll von Ratschlägen und Berichten ist, was dieses Vorhaben betraf. Selbstverständlich versuchte ich auch in der Zeit der Vorbereitung auf das große Abenteuer meine körperliche Kondition zu verbessern. Ich wanderte zweimal in der Woche an die fünf bis zwanzig Kilometer in der Sierra de Irta, einer Hügelkette an der Costa Azahar, wo ich derzeit zu Hause bin. Nichts ist natürlich vollkommen, und so unterliefen mir Fehler in dieser konditionellen Vorbereitung. Das Wandern an sich war in Ordnung, auch was die Zahl der Kilometer betraf. Wenn man dann wirklich den Weg beginnt, muss ja keiner so weit laufen, dass schon am ersten Tag alles weh tut. Die Etappen in den gängigen Pilgerführern empfand ich nie als Muss, sondern immer als einen Vorschlag. Man kann jeden Tag neu entscheiden, wie weit man gehen möchte. Pilgerherbergen gibt es am Jakobsweg nicht nur in den ausgewiesenen Etappenorten, sondern auch dazwischen. Doch mit einer Sache hatte ich mich verspekuliert. Ich ging meine Übungsstrecken mit zu wenig Gepäck. Ein paar Steine im Rucksack ersetzten leider nicht das tatsächliche Gewicht von etwa zwölf Kilo, dass ich beim ernsthaften Start dann tatsächlich zu bewältigen hatte. Ich weiß, liebe Pilgerfreunde, das ist eigentlich zu viel. Ich hatte jedoch aufgrund meines besonderen Weges durch relativ unbekanntes Gelände auf dem ersten Drittel meiner Pilgerreise ein kleines Zelt dabei. Ich war in den kommenden Tagen oftmals sehr froh darüber.

Allein oder in guter Gesellschaft

Als es endlich so weit war, lief ich von der Tür meines Hauses los, quer durch Spanien, auf uralten, fast vergessenen Jakobswegen bis nach Logroño. Hier traf ich dann auf den berühmten sogenannten Französischen Weg, der in der Literatur immer wieder beschrieben wird. Hier sind ja, besonders in den Sommermonaten, eine Menge Pilger unterwegs. Manchem scheinen es schon eher zu viele zu sein, als dass sich der Einzelne auf sich selber und seine Gedanken konzentrieren könnte. Doch wenn man achtsam ist und sich Mühe gibt, erkennt man auch die Zeitfenster, in denen gerade wenig oder gar keine Pilger zumindest dicht vor oder hinter dir unterwegs sind. Dann gehst du den Weg wie allein und doch in der sicheren Gewissheit der Gegenwart anderer, sobald dir danach ist.

Zurückgekehrt nach Hause nach siebenundfünfzig Tagen Wanderschaft, schrieb ich ein Buch über meine Sinnsuche, über meine Erlebnisse und über die Motive, die mich, den Heiden, auf diesen Weg gebracht hatten. Du findest es hier auf dieser Homepage und auf jeder anderen auch, die zum literarischen Projekt Jakobsweg gehört.

PS

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