Unbestimmte Sehnsucht nach dem Jakobsweg

"Von sich weiß man nur die Hälfte, und wer kennt den Rest?" (Wyspianski)

Wie viele andere auch rede ich nicht gerne über mich. Doch wenn Du der Logik dieser kleinen Texte hier folgst, kannst Du Dir langsam ein Bild von mir machen, wenn Du willst. Ein konkretes fotografisches Abbild findest Du ja bereits auf dieser Seite. Doch was sagt es schon?
Als ich den Weg nach Santiago de Compostela ging, war ich bereits 60 Jahre alt. Um es gleich vorwegzunehmen: Den Weg zu gehen ist keinesfalls eine Frage des Alters. Du kannst jünger oder sehr viel jünger sein als ich oder auch viel älter. Darauf kommt es nicht an! Eines nur solltest Du wissen: Alles was ich hier an dieser Stelle oder anderswo auf diesen Seiten zum Pilgerweg nach Santiago de Compostela sage, sind ausschließlich meine Erfahrungen. Deine eigenen sind dadurch nicht zu ersetzen!

Pilger mit Ost-Erfahrung

Aus dem Osten Deutschlands kommend, hatte ich mit Gott, dem Glauben allgemein und allem, was sich darum rankt, nicht allzu viel am Hut. Dass ich diesen Weg dennoch ging, hatte viel zu tun mit Neugier und dem Bedürfnis nach Neufindung. Viele andere auch gehen heute diesen Weg nicht mehr ausschließlich wegen religiöser Gründe. Ein Pfarrer, dem ich unterwegs begegnete, schätzte ein, es wäre wohl nur noch knapp die Hälfte. Einige also sind aus spirituellen Erwägungen unterwegs, andere aus meditativen; manche nehmen die ganze Sache ausschließlich sportlich, andere wiederum wandern einfach nur gerne. Jeder, der diesen Weg geht, so sagt man jedenfalls, hat seine eigenen Gründe.

Es gibt unendlich viele Seiten im Internet zum Jakobsweg. Deshalb sollte man die eigene auch nicht überschätzen. Sie kann nur ein kleiner Beitrag sein im bunten Kaleidoskop der verschiedenen Wahrnehmungen dieses Pilgerweges. Ich habe deshalb auf meiner Website ausgewählte Links eingefügt, von denen ich überzeugt bin, dass sie hilfreich sind, wenn jemand diesen Weg einmal gehen möchte. Das Internet jedenfalls ist ein wunderbares Instrument, um sich auf ein solches Unternehmen umfassend und gründlich vorzubereiten.

Der Autor in Pilgerausrüstung vor seinem Haus in Peniscola  eine in den Boden eingelassenen bronzenen Muschel markiert den Weg in Tudela

Der Autor in Pilgerausrüstung vor der Tür seines Hauses in Peñiscola, rechts eine bronzene in den Boden eingelassene Jakobsmuschel als Wegmarkierung in Tudela

 

 

Viele Wege führen nach Santiago

Es gibt auch unendlich viele Wege, die letztendlich alle nach Santiago de Compostela führen. Man muss sich das vorstellen wie ein riesiges, trichterförmiges Spinnennetz, das sich durch ganz Europa zieht und an dessen Ende dann die heilige Stadt liegt. Auch in diesem Falle sollte man vielleicht nicht all zu viele Ratschläge geben. Jeder muß den für sich geeigneten Weg selber finden. Du mußt nicht unbedingt religiös sein, wenn Du diesen Weg bewältigen willst. Ich war es ja auch nicht. Und ich bin es auch nach diesem Pilgerweg nicht. Da muß ich leider alle enttäuschen, die geglaubt hätten, der Jakobsweg würde selbst einen überzeugten Heiden erleuchten. Doch Du solltest immer im Auge behalten, was den Jakobsweg charakterisiert. Es ist keine sportliche Rennstrecke und kein Abenteuerpfad. Es ist und bleibt ein Pilgerweg, für viele Menschen also nach wie vor ein heiliger Weg, der eine Tradition über viele Jahrhunderte aufweist. Das hat man zu respektieren, dem entsprechend verhält man sich ...

Der Weg beginnt in deinem Haus

Ich begann diesen Weg nicht, wie allgemein üblich, an der französischen Grenze in Saint-Jean-Pied-de-Port. Wenn Du natürlich aus Deutschland kommst, macht das durchaus Sinn. Für mich musste der Beginn dieses Weges ein anderer sein. Zumal ich ja auch schon wußte, was die Spanier dazu sagen: "El camino comienza en tu casa!" - Der Weg beginnt in deinem Haus!

 

"Irgendwie passe ich hier nicht hin, also laufe ich einfach los. Es ist alles stimmig. Der heutige Tag ist genau der richtige. Man muss warten können auf dieses Gefühl. Möglicherweise gelingt der ganze Weg sonst nicht."

(Aus meinem Buch "Ein Heide auf dem Jakobsweg")

ein sich bewegender mittelalterlicher Pilger

Ich lebe manchmal für ein paar Monate in einem Ferienhaus an der spanischen Mittelmeerküste zwischen Tarragona und Valencia. Das Örtchen an der Costa Azahar heißt Peñiscola und ist in ganz Spanien berühmt wegen seiner außergewöhnlichen Lage auf einem Felsen im Meer. Nur eine schmale Landzunge schafft eine Verbindung mit dem Festland. Obendrein hat hier der Gegenpapst Benedikt XIII., im Volksmund Papa Luna genannt, bis zu seinem Tode im Exil auf der Templerburg gelebt, die den Felsen als Abschluß beeindruckend krönt. Die Burganlage mit ihren hohen Mauern und intakten Stadttoren bildete auch schon die Kulisse für den Film "El Cid" aus dem Jahre 1961 mit Charlton Heston und Sophia Loren in den Hauptrollen. Allerdings ist im historischen Kontext nicht wirklich Peñiscola die belagerte Stadt, sondern Valencia. Doch wer merkt das schon?

Erlebnisse für ein ganzes Buch

Ich fand es jedenfalls aus Pilgersicht sinnlos, an die französische Grenze zurückzureisen. Also hielt ich mich an die spanische Weisheit und begann den Weg von meiner Haustür aus. Manche der alten Pilgerwege sind in Vergessenheit geraten. Ein solcher Weg führt hier in der Nähe vorbei. Er nennt sich ganz offiziell "Camino del Maestrazgo - Bajo Aragon a Santiago de Compostela". Er führt über das Bergdorf Morella, Alcániz und Zaragoza nach Logroño. Dort trifft er dann auf den bekannten und berühmten sogenannten Französischen Weg, der von Saint-Jean-Pied-de-Port von der französisch-spanischen Grenze über die Pyrenäen und durch Pamplona kommt.

Über meine Erlebnisse auf diesem Weg, der für mich achtundfünfzig Tage dauerte, habe ich ein Buch geschrieben. Es ist keine Wegbeschreibung und auch kein Tagebuch, das ich natürlich wie fast jeder Pilger führte. Es ist viel eher eine spirituelle Auseinandersetzung mit dem Glauben und mit meiner ostdeutschen Vergangenheit. Denn ich ging diesen Weg ja als Heide, als Ungläubiger. Vielleicht ist das Buch gerade deshalb anders und damit von besonderem Interesse, aus welcher Sicht ein solcher Mensch diesen Weg sehen, bewältigen und erleben kann. (zum Buch)

 

eine Taube, die fliegt Gesamtansich von Peniscola von der Hafenmole aus gesehen

Das Foto von Marko Dostmann zeigt Peñiscola von der großen Mole aus fotografiert. Im Hafen von Peñiscola ist übrigens noch immer eine Fischerei-Flotille stationiert. Wenn die Kutter am Nachmittag vom Fang zurückkehren, kann man als Beobachter hautnah dabeisein.

 

Alle anderen Fotos auf diesen Seiten und in den Galerien sind vom Autor der Homepage selbst.

Eine Gasse mit Blumen in Peniscola Statue vom Papst Papa Luna, Pablo II. Ein Haus mit Muschelfassade in Peniscola Peniscola mit langgezogenem Strand

Die Bilder oben zeigen eine typische Gasse in der Altstadt von Peñiscola, daneben die Statue von Papa Luna, Papst Benedict XIII., dem sogenannten Gegenpapst, der auf der Burg von Peñiscola im Exil lebte, eine kleine Boutique im sogenannten Muschelhaus und den weitläufigen Strand, der sich über sechs Kilometer bis zum Nachbarort Benicarlo hinzieht.

***

"Im Sommer stürmen Touristenmassen friedlich die Burg. Sie soll nach der berühmten Alhambra im andalusischen Granada die zweithöchsten Besucherzahlen aufweisen. Wir sind froh, daß die Zustände trotzdem nicht denen auf Mallorca ähneln. Schildchen mit der dort gewohnten Aufschrift „Wir sprechen Deutsch!“ sind hier nicht die Regel, eher die Ausnahme. Wenn es sie dennoch gibt, dann stehen sie gleichberechtigt neben denen in anderen Sprachen.

 

Ja, die Spanier sind schon sehr speziell. Die Katalanen zum Beispiel haben sich vor gar nicht all zu langer Zeit in ihrer Verfassung sogar als eigene Nation definiert. Das ist doch eine verrückte Welt, wo alles wieder zurück will zur Kleinstaaterei mit allen ihren Nachteilen."

(Aus meinem Buch "Ein Heide auf dem Jakobsweg")

 

Nach oben