Über die Weltreligionen

Ist Religion Opium für das Volk?

„Weltreligion“ ist vielleicht ein etwas irreführender Begriff. Eigentlich sind jene Religionen damit gemeint, die zahlenmäßig auf der Welt die stärksten Gruppen bilden oder über ungewöhnlich viel Einfluss verfügen (Judentum z.B.).
Doch über eines sollte sich jeder im Klaren sein: Die Zahl der Anhänger allein macht keine dieser Religionen etwa glaubwürdiger oder weniger glaubwürdig. Nehmen wir zum Beispiel die größte Gruppe, das Christentum. Das ist in sich schon mal keine einheitliche Gruppe. Man kann drei Hauptströmungen ausmachen, und zwar die römisch-katholischen, die orthodoxen und die protestantischen Kirchen. Schon unter diesen gäbe es und gibt es genügend Konfliktstoff, aber immerhin hat man sich mit Hilfe der sogenannten ökumenischen Bewegung auf eine gewisse vernünftige Zusammenarbeit geeinigt.
Bei der großen Zahl von Christen auf der ganzen Welt – man spricht von 2,1 Milliarden Anhängern – darf man nicht vergessen, dass sich besonders das Christentum in den vergangenen Jahrhunderten durch einen regelrecht fanatischen Missionierungswahn hervorgetan hat. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die beachtliche Zahl der Kreuzzüge, an die spanischen katholischen Eroberer, die mit Blut und Schwert ihre Religion in die besetzten Gebiete der Neuen Welt trugen, an die Hexenverbrennungen und die Inquisition als grausames Unterdrückungsinstrument gegen Andersgläubige.
Kein Urwald auf dieser Welt war doch weit genug entfernt, um nicht einen christlichen Missionar noch in das letzte Dorf zu entsenden.

eine Schafherde kreuzt den Weg

Thematisches Foto zum Kirchenlied von Henriette Maria Luise von Hayn: "Weil ich Jesu Schäflein bin."

Da ist es doch gestattet, dass man sich als Atheist die Frage stellt: Ging es denn jemals um den Glauben? Was immer das auch sein soll? Hatte Karl Marx Recht mit seiner Aussage, dass die Religion das Opium für das Volk sei?
Wer ganz aktuell im Fernsehen die sechs Teile des historischen Films um die Familie Borgia verfolgt hat, wie Rodrigo Borgia schließlich Papst wird (Alexander VI.), was er alles tut, um Papst zu bleiben, der ahnt doch schon, worum es schon immer und immer wieder geht: um die Macht, um Geld und Einfluss. Der Glaube diente als Vehikel der Machtpolitik! Päpste waren es schließlich, die zu den unheiligen Kreuzzügen aufriefen, wo Mörder und anderes Gesindel mittun durften im Namen des Glaubens und die gegnerischen Völker als minderwertige Rasse beschimpft und diffamiert wurden.

aus einer dunklen Kirche ins Helle fotografiert  spanische Landschaft mit einem Kreuz am Weg

Gerechterweise soll an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass auch die zweitstärkste Weltreligion, der Islam, mit schätzungsweise 1,3 Milliarden Anhängern, besessen war vom Gedanken der Missionierung. Auch hier wurden und werden sogenannte Ungläubige in einer Art und Weise herabgesetzt, als wären das gar keine Menschen. Letzteres kann man vom Hinduismus (850 Millionen) und vom Buddhismus (375 Millionen) auf gar keinen Fall sagen, ebenso wenig wie für das Judentum, das mit 15 Millionen Anhängern eine gewisse Sonderstellung einnimmt.

Weitere erwähnenswerte Religionen wären wohl noch der Daoismus mit immerhin etwa 60 Millionen Anhängern in China und weiteren 8 Millionen in Taiwan, Bahai mit sieben Millionen und der Konfuzianismus mit einer Anhängerschaft von rund sechs Millionen (im engeren, religiösen Sinne).

(Zahlen stammen aus „wikipedia“, alle Fotos vom Autor)

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