Wo schläft man auf der Pilgertour am besten?

Über die verschiedenen Herbergen am Jakobsweg und andere Schlafmöglichkeiten

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe mir weder eine ansteckende Krankheit zugezogen, noch wurde ich geplagt von Wanzen und Flöhen.

Ich wähle bewusst diesen etwas krassen Einstieg, denn wenn man die Diskussion in einigen Pilgerforen verfolgt, gewinnt man den Eindruck, es ginge um nichts anderes. Die Sorge vieler Pilger, wo sie denn am Abend jeden Tages ihr müdes Haupt betten können, scheint wirklich ausgeprägt. Manche sind zum Glück in ihren Erwartungen bescheiden. Andere wollen schon so etwas wie Herbergen mit Drei-Sterne-Niveau oder höher, und Einige sind wohl niemals mit irgend etwas zufrieden.

Doch darüber will ich nicht richten. Das muss letzten Endes jeder für sich selbst entscheiden. Ich weiß doch: Es sind schließlich selbst Könige gepilgert. Und ich glaube nicht, dass die auf ihren gewohnten Komfort unterwegs verzichtet haben.

Ich werde hier nur berichten und kommentieren, wie ich es auf meiner Pilgerreise gehalten habe. Da ich erst quer durch Mittelspanien wandern musste, bevor ich auf den bekannten Französischen Weg traf, glaube ich, über einen ganz guten Mix an Erfahrungen zu verfügen.

Ein Zelt ist durchaus eine Möglichkeit

Der erste Teil meines Weges führte durch die Provinz Castellon, dann durch das niedrige Aragon hin zum Ebro. Hier gab es weder die berühmten gelben Pfeile oder die blaue Jakobsmuschel, die normalerweise den Jakobsweg kennzeichnen. Auch Herbergen für Pilger waren demzufolge Fehlanzeige. Ich hatte für diesen Fall zwei Möglichkeiten in Betracht gezogen. An meinem 12-Kilo-Rucksack trug ich auch ein kleines Zelt mit mir, Isoliermatte und Schlafsack sowieso. Wenn also gar nichts ging, suchte ich mir einen geeigneten Platz, errichtete schnell mein Zeltchen – die Nacht war gerettet. Komfortabel war das nicht. Schlafsack und Isoliermatte allein bildeten eine Unterlage, die nicht ausreichend war, um den harten, spanischen Boden nicht doch empfindlich zu spüren. Es gibt auch etwas stärkere Isoliermatten von zwei oder drei Zentimetern. Meine war nur einen Zentimeter stark. Da sie so gut wie nichts wiegen, kommt es auf den einen Zentimeter mehr beim Gesamtgewicht sicher nicht an.

Ein kleines Zelt unter einem Johannisbrotbaum auf einem Campo  Garagentor von zwei Bäumen eingerahmt in Chert

Mein erstes Schlaflager auf dem Weg im eigenen Zelt und das zweite im Örtchen Chert in einer Garage mit Toilette und Waschmöglichkeit

Die zweite Möglichkeit war – so hatten es mir spanische Freunde geraten – in jedem Dorf, in dem man gerne bleiben wollte, zuerst zum Pfarrer und oder zum Bürgermeister zu gehen. Eine Bitte um Hilfe verhallt hier selten ungehört, obwohl ich einschätzen muss, dass die geistlichen Herren flexibler und schneller waren, wenn es darum ging, einem Pilger zu helfen. Die Art der Quartiere ist dann entsprechend bunt. Ich schlief in einer Garage, in einer Sakristei, im Eckturm einer Kirche, in einem Refugio für Landstreicher, im Hause des Pfarrers unter dem Dach, in einer Jugendherberge, in einem ehemaligen Bahnhofsgebäude. Manchmal, wenn ich schon zu müde war, noch nach einem Platz für das Zelt zu suchen und es aufzubauen, übernachtete ich auch hin und wieder in einem Hostal für möglichst wenig Geld oder einmal auch in einer offenen Hütte auf einem Feld.

eine niedrige Hütte in Burgo del Ebro, das Refugio  Raum mit zwei Doppelstockbetten für die Pilger

Das anspruchslose Refugio für Landstreicher in Burgo de Ebro und schöne, dicke Matratzen in den Betten der Herberge in Corto de Ebro

Die Situation auf dem zweiten Teil meines Weges glich dem ersten. Herbergen gab es selten. Ich kam auf Höhe von Estracon auf den Camino del Ebro, der von Amposta kommend immer entgegen dem Lauf des Ebros bis nach Logroño führt. Erst gegen Ende, je näher man dem Französischen Weg kam, nahm die Zahl der Herbergen zu.

Jeder kann sich seine Strecke nun selber einteilen

Dann schließlich auf dem Französischen Weg, den die meisten Pilger gehen, gibt es aus meiner Sicht kein Problem mehr mit Pilgerherbergen, es sei denn das eingangs aufgeführte Luxusproblem. Selbst das hält sich in Grenzen, wenn man sich gut informiert. Im Wesentlichen hat es der Pilger jetzt mit drei Gruppen von Unterkünften zu tun: die staatlichen, die kirchlichen und die privaten Pilgerherbergen. Sowohl innerhalb dieser Gruppen als auch zwischen ihnen gibt es erhebliche Unterschiede, was den jeweiligen Standard betrifft, wobei die privaten Pilgerherbergen in der Regel über die beste Ausstattung verfügen und die Zahl der Schlafstätten pro Zimmer am niedrigsten liegt. Meist kann man hier auch noch ein gutes Frühstück hinzubuchen. Das hat natürlich auch seinen Preis, beginnend etwa bei sechs, sieben Euro, für das Frühstück weitere drei Euro. Manche sind schon richtig teuer für Pilgerverhältnisse, bieten dann jedoch auch Zusatzerlebnisse wie Reiten oder Pilgern von einigen Etappen zu Pferde.

Ein altes Bahnhofsgebäude dient heute als Pilgerherberge in Alcanadre  Die älteste Herberge am Weg in Santo Domingo de la Calzada

Das alte Kloster von Carrion de los Condes, Eingangstor  Schöne Herberge im Stile dörflicher Tradition mit Holzbalken

Im Uhrzeigersinn: Bahnhofsherberge in Alcanadre; die älteste Herberge am Weg in Santo Domingo de la Calzada mit Hühnerhaltung; die Klosterherberge in Carrion de los Condes und die rustikale private Herberge in Muria de Rechivalda

Staatlich geförderte Herbergen sind meist am billigsten. Sie kosten manchmal gar nichts, auch keine Spende, oder nur drei bis fünf Euro. Die kirchlichen Herbergen nehmen gern eine freiwillige Spende oder auch so um die drei bis fünf Euro. Die kurioseste Art Einnahmen bei letzterer Gruppe fand ich in der Herberge von Berciano del Real Camino. Dort hing über dem Karton, in den der Pilger die freiwillige Spende legen sollte, ein Schild mit der Aufschrift: „Gib, was Du kannst, und nimm, was Du brauchst!“ Dass die Pilger ganz nette Menschen sind, konnte man allein schon an der Tatsache festmachen, dass es gerade in dieser Herberge ein gemeinsames kostenloses Abendmahl gibt, was durchaus nicht die Regel ist.

  wundershöner Innenhof der Herberge in Hospital de Orbigo  ein häßliches altes Gebäude aus gelbem Lehm in Berciano del Real Camino

Romantischer Herbergshof in Hospital de Orbigo und die äußerlich etwas unansehnliche, aber liebevoll betreute Herberge in Bercianos del Real Camino (alle Fotos vom Autor)

Es macht keinen Sinn bei der Vielzahl der Charaktere, Wünsche und Vorstellungen der einzelnen Pilger bestimmte Herbergen hervorzuheben. Jeder Pilger könnte das tun, und es würden am Ende wahrscheinlich nicht die gleichen sein. Ein guter Ratgeber ist hier der Herbergsführer der Jakobusfreunde Paderborn, bekannt und seit vielen Jahren schon beliebt auf dem Jakobsweg. Die Jakobusfreunde Paderborn betreiben übrigens seit einigen Jahren eine eigene Herberge „Casa Paderborn“ in Pamplona.

PS

 

 

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