Zum Wetter auf dem Jakobsweg

Der Himmel über Spanien ist blau - aber nicht immerzu

Ich ging am 9. Mai von der Mittelmeerküste zwischen Tarragona und Valencia, der Costa de Azahar, los. Gekleidet war ich sommerlich, denn das Wetter hier war zu diesem Zeitpunkt angenehm warm, sonnig, manchmal auch heiß und in der Mittagsglut der spanischen Sonne schon zu heiß.

Von der Tatsache einmal abgesehen, dass man in der Mittagszeit ja nicht unbedingt wandern muss, ist dieses küstennahe Klima ohnehin nicht charakteristisch für den "normalen" Jakobsweg, wie ihn die meisten gehen, also von der französischen Grenze aus über die Pyrenäen nach Santiago de Compostela. Deswegen heißt letzterer Weg ja auch der "Französische Weg". Mit ihm will ich mich hier klimatechnisch befassen.

Blauer Himmel mit weißen Wolken

Die erste These, die ich dazu aufstellen möchte, ist, den Jakobsweg im späten Frühjahr oder im zeitigen Herbst zu gehen. Das ist wohl zweifellos die beste Zeit. Wer das aus terminlichen Gründen (Ferien z.B.) nicht hinbekommt, der muss halt auf Juli und August zurückgreifen und sich auf mindestens zwei nicht immer angenehme Gegebenheiten einrichten: Es kann sehr heiß werden, und der Weg wird wegen der spanischen Ferienzeit stark frequentiert sein. Das bedeutet unter anderem, sehr früh am Tag zu starten (6.00 Uhr). Man vermeidet dadurch die ärgste Hitze, weil man dann bereits am Ziel ist, und man bekommt obendrein ein sicheres Nachtquartier in der jeweiligen Pilgerherberge.

Die zweite These lautet, die Monate Dezember bis März möglichst ganz zu meiden. Es sei denn, man sucht diese besondere klimatische Herausforderung (Eis und Schnee in den Pyrenäen und auch sonstwo) und man ist mit seiner Ausrüstung darauf eingestellt. Rechnen muss man auch damit, dass viele Pilgerherbergen nicht geöffnet sind. Doch das kann man, zum Beispiel mit dem Paderborner Herbergsverzeichnis (siehe auch Linkliste), herausfinden.

Der Monat April ist ein grenzwertiger Monat. Er ist ähnlich unberechenbar wie in Deutschland. Je mehr er sich seinem Ende zuneigt, um so günstiger der Zeitpunkt. Ähnlich, aber deutlich abgeschwächt, verhält es sich mit dem November, wobei hier die Temperaturen noch sehr stabil sind und erst gegen Ende etwas absinken. Man muss jedoch verstärkt mit Regen rechnen.

Letzteres gilt ohnehin für den gesamten französischen Weg, der ja vom atlantischen Klima beeinflußt wird. Auf Regen muss jeder Pilger generell eingestellt sein. Hitze oder Kälte dagegen lassen sich durch eine geschickte Wahl des Zeitpunkts des Losgehens durchaus beeinflussen.

ein endloser Weg mit Mohn am Wegrand

Blühender Mohn am Wegesrand auf den endlos scheinenden Wegen durch die Hochebenen zwischen Castrojeriz und Fromista, fotografiert Mitte Juni

Im Folgenden die Durchschnittswerte der Temperaturen auf dem Französischen Weg im Laufe der Monate. Zu beachten ist, dass auf dieser langen Strecke die klimatischen Bedingungen wechseln und es deshalb territorial zu erheblichen Abweichungen kommen kann.


Januar: durchschnittl. Tagestemperatur 8 Grad, nachts 1;

Februar: durchschnittl. Tagestemperatur 10,5 Grad, nachts 1;

März: durchschnittl. Tagestemperatur 13,5 Grad, nachts 2,5;

April: durchschnittliche Tagestemperatur 15,5 Grad, nachts 4;

Mai: durchschnittliche Tagestemperatur 18,5 Grad, nachts 7,5;

Juni: durchschnittliche Tagestemperatur 22,5 Grad, nachts 10;

Juli: durchschnittliche Tagestemperatur 25 Grad, nachts 13;

August: durchschnittl. Tagestemperatur 26,5 Grad, nachts 13;

September: durchschnittl. Tagestemp. 23 Grad, nachts 11,5;

Oktober: durchschnittl. Tagestemperatur 17,5 Grad, nachts 7;

November: durchschnittl. Tagestemperatur 12 Grad, nachts 6;

Dezember: durchschnittl. Tagestemperatur 9 Grad, nachts 1,5.

 

 

 (Alle Angaben wurden in langfristigen spanischen Wetterberichten recherchiert und sind ohne Gewähr.)

 

 

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