mittelalterlicher, laufender Pilger

Pilgern an den Ufern eines legendären Stroms

Der Fluss hat seinen ganz besonderen Reiz       

Die zweite Etappe begann für mich in Escatron, am großen spanischen Fluß Ebro. Hier kommt von Tarragona und Tortosa her ein bekannter Pilgerweg, den der Überlieferung nach auch der Heilige Jacobus selbst gegangen sein soll. Er führt über viele interessante Stationen und über die Provinzhauptstadt Zaragoza, fünftgrößte Stadt Spaniens, bis nach Logroño. Hier trifft der "Camino del Ebro" auf den berühmten "Französischen Weg". Der Pilgerweg ist geprägt durch die unmittelbare Nähe zu Spaniens größtem Fluß. Je näher man Logroño kommt, um so mehr steigt die Chance für den Pilger, auf eine Herberge zu treffen, die wirklich nur wegen der Jakobspilger existiert.

Es geht nur im eigenen Rhythmus

Den ersten Mitpilger, einen Italiener namens Luigi, traf ich erst drei Stationen vor Logroño im Städtchen Calahorra. Er war vom Kloster Montserrat in der Nähe von Barcelona gestartet, ein Profi-Pilger, der alle bekannten Wege schon gegangen war. Leider konnte ich nicht mit ihm zusammen weiterziehen. Dafür war er viel zu sportlich und demzufolge zu schnell für mich. Das ist nun mal so auf diesem Weg: Jeder muß sein eigenes Tempo gehen! Und auch die Entfernung, die jeder bewältigen möchte oder kann, ist individuell. Für Luigi waren es bis Logroño noch zwei Etappen, für mich dagegen drei. Man kann diesen Weg nicht im Rhythmus eines anderen gehen. Das ist wohl eine allgemein gültige Erfahrung. Selbst Ehepaare trennten sich gelegentlich morgens vor den Herbergen, um am Nachmittag in der Zielherberge wieder zusammenzutreffen. Nur kam einer von beiden halt ein bis zwei Stunden später.

ein blinkender Stern

Die Fotos unten zeigen links ein Refugio in Burgo de Ebro für Landstreicher (und Pilger!), rechts den Kirchplatz in Alborge und ganz unten ein typisch spanisches Zeichen in der Landschaft

Das Refugio in Burgo de Ebre  Kirche in Burgo de Ebro

Der Pilgerweg immerzu an den Ufern des Ebros entlang ist nie langweilig. Bei den Ortschaften Alborge und Alforge vollführt der große Fluss geradezu unglaubliche Windungen. An manchen Stellen fehlt nicht viel, und er würde sich selbst berühren. Der Wanderer merkt es vor allem an der Vielzahl der Brücken, über die er ständig den Strom überqueren muss.

Spaniens Boden ist steinig und hart

Es ist kein einfacher Weg. Er fordert Kondition und gute Einteilung der Kräfte und des Proviants. Pilgerherbergen findest Du, wie gesagt, erst kurz vor Logroño. Bis dahin bist Du darauf angewiesen, dass der Pfarrer oder der Bürgermeister der jeweiligen Orte Dir hilft. Vorausgesetzt, Du bist nicht das, was ich etwas respektlos als "Edelpilger" bezeichne. Du kannst natürlich zumeist ein kleines Hostal oder Hotel finden. Ein freies Zimmer findet sich immer. Doch das geht mit der Zeit ganz schön ins Geld! Ich hatte mir auch in dieser Beziehung etwas strengere Askese als sonst auferlegt. Mehr als zehn, höchstens fünfzehn Euro pro Tag wollte ich auf keinen Fall ausgeben. Ich hatte ein kleines Zelt dabei. Es belastet zwar den Rucksack mit etwas mehr Gewicht (1,75 kg), bildet aber eine gute Alternative, wenn gar nichts mehr geht. Doch auch das Zelten ist nicht ganz so einfach. Der spanische Boden ist abweisend, steinig und hart. Du mußt erst einmal eine geeignete Stelle finden. Das ist alles andere als leicht! *

 Die typisch spanische Statue eines Stiers

"Ich lege mich auf das provisorische harte Bett, höre das monotone Rufen eines Nachtvogels, lausche den ungewohnten Geräuschen des im Winde raschelnden Schilfs, das die Hütte umgibt. Ich warte geduldig auf den Schlaf. Und gemeinsam mit mir schläft auch die Gewissheit ein, daß sich ein solcher Tag nicht wiederholen wird."

(aus meinem Buch "Ein Heide auf dem Jakobsweg", http://www.amazon.de)

Ein Kirchlein in den Bergen, die Anadon-Kapelle eine Felswandin der Nähe des Ebros

Die Fotos zeigen die Ermita Virgen de Anadon oberhalb des Ebros und eine Felsformation am Ebro-Ufer gleich hinter der Anadon-Kapelle.

ein blinkender Stern

* Ein Not-Zelten für eine Nacht wird Dir niemand verwehren. Ansonsten gelten ähnliche Vorschriften wie in Deutschland. Zelten ist offiziell nur auf ausgewiesenen Plätzen erlaubt.

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